Eine Methode zur Erhöhung der Hemmschwelle bei jugendlichen Gewaltstraftätern. (Sebastian Jende)


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Methodischer Ansatz & Ziele

Für eine pädagogische Einflussnahme auf jugendliche Gewaltstraftäter lassen sich drei zentrale Ansatzpunkte ableiten. So könnte man versuchen,

  • die Ursachen aggressiven Verhaltens zu beseitigen,
  • die Aggressivität, also die Bereitschaft zu aggressivem Verhalten, zu senken oder
  • den eigentlichen Ausbruch der Aggression zu verhindern.
Das Gruppendynamische Aggressionsschwellentraining setzt am dritten Punkt an - an der Verhinderung des eigentlichen Aggressionsausbruches. Ein Vorteil dieses Ansatzes liegt auf der Hand: Während die Ursachen für Aggressionen bei den Teilnehmern verschieden sind und die Aggressivität unterschiedlich ausgeprägt ist, sind die Tatabläufe - bezogen auf die Aggressionsphasen - bei allen Teilnehmern relativ einheitlich. Die Trainingsgruppe hat also einen gemeinsamen Arbeitsansatz.

Das Gruppendynamische Aggressionsschwellentraining soll in den Ablauf der Aggressionsphasen eingreifen und die Aggressionshandlung dadurch stoppen. Im Prinzip sollen auf dem "Aggressionsweg" Barrieren und Mechanismen installiert werden, die hemmend oder sogar gegensätzlich wirken - so genannte Aggressionsschwellen. Ziel des Gruppendynamischen Aggressionsschwellentrainings ist es, dass sich der Täter im Falle der Planung bzw. Ausführung einer neuen Gewalttat durch das Wiedererkennen markierter Tatablaufpunkte an das Training erinnert. Durch die Erinnerung sollen emotionale und psychische Prozesse in Gang gesetzt werden, die eine weitere Ausführung erschweren oder verhindern. Zu diesen Prozessen zählt auch der Abruf von vermitteltem Wissen.

Nach Möglichkeit und bei Bedarf sollen die Teilnehmer dazu bewegt werden, ihr kriminalitätsförderndes Umfeld zu verlassen und sich gewaltfreie Lebensstrukturen aufzubauen. Im Trainingsprogramm werden Rechtfertigungsstrategien von Gewalttätern entlarvt und deren Vermeidung trainiert. Ohne Rechtfertigungen (so genannte "Ausreden") können Gewalttäter ihre Straftaten nicht mehr positiv bewerten. Die Teilnehmer müssen sich intensiv mit den Folgen von Gewalttaten beschäftigen - mit Verletzungsfolgen, mit den dazugehörigen Behandlungsarten, Kostenfaktoren und natürlich mit den strafrechtlichen Folgen.

Außerdem werden gewaltfördernde Ressentiments hinterfragt und Wissen vermittelt. Durch die Auseinandersetzung mit humanistischen Grundwerten wird sozialverträgliches Verhalten und zivilgesellschaftliches Engagement der Teilnehmer gefördert. Ein beabsichtigter positiver Effekt des Trainingsprogramms ist die Stärkung des Selbstwertgefühls durch das Erleben von Lernerfolgen. Jeder Teilnehmer muss sich mit seiner Zukunft auseinandersetzen, das heißt, er muss sich konkrete Ziele stellen und Konzepte zu deren Umsetzung erarbeiten. Die entstandenen detaillierten Pläne werden an Bewährungshelfer, Jugendämter und Jugendrichter übermittelt. Im Jugendstrafvollzug wurde eine enge Kooperation zu Vollstreckungsleitung und Bewährungshilfe entwickelt, so dass eine Weiterbetreuung nach der Haft gewährleistet ist.

Das Trainingsprogramm ist ein Intensivtraining und wird im Jugendarrest in einem Zeitraum von zwei und in der Jugendstrafanstalt von drei Wochen (ganztägig) angeboten. Hinzu kommen Einzelgespräche zur Vor- und Nachbereitung.

Das gesamte Trainingsprogramm wird als eine sehr eindrückliche Form der Selbsterfahrung bewertet. Durch das Gruppentraining setzen sich die Teilnehmer in einer für sie ungewohnten Intensität mit ihren Taten, ihrem Leben und mit neuen Perspektiven auseinander.

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